HISTORIE MARKWASEN
Der rund 85 Hektar große Sport- und Freizeitpark Markwasen in Reutlingen wurde in den 1980er Jahren angelegt und ist ein stark frequentiertes Naherholungsgebiet. Neben vielfältigen Sportanlagen und einem ausgebauten Wegenetz umfasst er auch 25 größere und kleinere künstlich angelegte Stillgewässer. Einige davon dienen verschiedenen Amphibienarten wie Erdkröten, Grasfröschen, Grünfröschen, Laubfröschen, Gelbbauchunken, Berg-, Teich- und Fadenmolchen als Laichgewässer. Der Freizeitpark Markwasen und der angrenzende Wasenwald werden durch die L 383 (Alteburgstraße) vom NSG Listhof getrennt. Nach dem Ausbau der Straße wurden dort massenhaft Amphibien, vor allem Grasfrösche, überfahren. Daher wurden in den 1990er Jahren bereits Amphibienschutzmaßnahmen an der L 383 durchgeführt („Panzergelände“, heute NSG Listhof, und „Alteburg“). Durch 2025 angelegte Trittsteinbiotope und einen Amphibientunnel sollen diese Gebiete wieder miteinander verbunden werden, um den Genaustausch zu ermöglichen.

Im Freizeitpark Markwasen finden schon seit 1990 Amphibienschutzmaßnahmen besonders für die Erdkröten und Grasfrösche durch die Stadt und ehrenamtliche Naturschützer statt. Auch mehrere RANA-Gründungsmitglieder, damals noch beim BUND aktiv, waren von Anfang an in diese Amphibienschutzmaßnahmen eingebunden. So wurden regelmäßig im Frühjahr Amphibienzäune aufgebaut und die wandernden Amphibien abgesammelt und nach Art und Geschlecht erfasst. Es wurde auch versucht, die Rückwanderung und die Abwanderung der Jungtiere zu unterstützen. Im Rahmen des Projekts „Integrierter Amphibienschutz im Freizeitgelände Markwasen in Reutlingen“ konnte die Stadt im Jahre 2000 auf einem Teil der Hinwanderstrecke Amphibientunnel und eine feste Leiteinrichtung bauen. Zur Verbesserung der Rückwanderungsbedingungen der adulten Tiere und der Abwanderung der Jungtiere wurde das Mähmanagement um die Laichgewässer herum geändert, indem bestimmte Bereiche extensiver gepflegt wurden.

Da im Laufe der Zeit immer weniger Jungtiere und auch weniger Kaulquappen beobachtet werden konnten wurden die Laichgewässer näher untersucht und dabei zeigte sich, dass in den Teichen ein extrem hoher Bestand an Fischen, besonders an den nordamerikanischen Sonnenbarschen, die als extreme Laichräuber gelten, vorhanden war. Da die Teiche damals noch keinen Mönch hatten und nicht abgelassen werden konnten, erklärten sich Mitglieder des AK Lebendiger Neckar und der FGO bereit, den Bestand an Sonnenbarschen durch Abfischen v.a. durch Schleppnetze und Reusen zu reduzieren. Diese Befischungen fanden ebenfalls im Rahmen des Projekts „Integrierter Amphibienschutz im Freizeitgelände Markwasen in Reutlingen“ statt und wurden v.a. 1999 und 2000 durchgeführt. Das veränderte Mähmanagement und das Abfischen führten zu einer Erholung der Amphibienbestände. Im Jahre 2003 wurden in Absprache mit dem zuständigen Förster mehrere Tümpel für die Gelbbauchunken gegraben, die auch gut angenommen wurden. Dennoch nahm der Bestand an Amphibien, der in den besten Zeiten bei fast 6000 dokumentierten Amphibien, davon mehr als 4000 Erdkröten lag, im Laufe der Jahre vor allem bei den Erdkröten massiv ab. Dies ist wohl zum einen darauf zurückzuführen, dass die Tiere die Rudolf-Harbig-Straße bei der Hin- und Rückwanderung jeweils zweimal überqueren müssen und es nicht möglich ist, die Straße während des gesamten Wanderzeitraums zu sperren. Zum anderen ist es offenbar auf Dauer nicht möglich, eine Population über mehrere Jahrzehnte durch Absammeln stabil aufrecht zu erhalten.

RANA e.V.- PFLEGEMAßNAHMEN
Seit 2017 konzentriert sich RANA im Markwasen auf Schutzmaßnahmen für den streng geschützten Laubfrosch. Diese Schutzmaßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit der Stadt, der unteren Naturschutzbehörde und dem Landschaftserhaltungsverband. Dazu gehört in erster Linie das regelmäßige Auspumpen und Entschlammen des ursprünglichen Laubfroschteichs am Rande des Freizeitgeländes und die angepasste Gehölzpflege, um für die Laubfrösche optimale Bedingungen zu schaffen. Erfreulicherweise zeigten diese Maßnahmen bald Wirkung und der fast erloschene Laubfroschbestand hat sich leicht erholt und die Laubfrösche haben sich sogar auf weitere passende Gewässer ausgebreitet.


Auf Initiative von RANA wurden von der Stadt 2018 drei weitere kleine Tümpel gegraben und von RANA-Mitgliedern wurde angrenzend eine Hecke als Tagesversteck und Sommerlebensraum gepflanzt. Diese Tümpel wurden von den Fröschen gut angenommen. Nachdem auf jahrelanges Drängen der Naturschutzvereine hin bei einem der Markwasenseen ein Mönch eingebaut wurde, konnten im ersten Jahr nach dem Ablassen und Wintern des Teichs dort zahlreiche zugewanderte Laubfrösche beobachtet werden. In den Jahren danach, in denen der Teich nicht abgelassen wurde, waren es jedoch dort wieder sehr wenige Laubfrösche. Es ist daher dringend erforderlich, den Teich regelmäßig abzulassen und zu wintern, um Prädatoren zu reduzieren. Außerdem sollte der angrenzende See nach Möglichkeit auch abgelassen werden.


WIR BEKOMMEN TATKRÄFTIGE HILFE
Seit 2025 engagiert sich zusätzlich der NABU Reutlingen in Abstimmung mit der Stadt und zusammen mit weiteren Naturschutzvereinen mit dem Projekt „Hilfe für den Laubfrosch“ im Markwasen, bei dem weitere Gewässer wieder saniert und Laubfrosch tauglich gemacht werden sollen. Eine Besprechung mit RANA über gemeinsame Aktionen sowie eine gemeinsame Begehung zusammen mit einem Vertreter der Stadt hat bereits stattgefunden.
Erwähnenswert ist in dieser Zusammenarbeit einerseits unsere fachliche Kompetenz im Bereich Teichbau, insbesondere bei Laubfrosch-Biotopen, und andererseits das nötige handwerkliche Know-how von RANA.

