Trockenmauer für Schlingnattern

Im Sommer 2017 erhielten wir einen Anruf vom Bademeister bzw. der Bademeisterin im Freibad Honau, in dem es hieß, dass sich eine Schlange im Bad befände.
Wir schauten sofort nach und fanden eine Schlingnatter in der Steinmauer gegenüber dem Schwimmbecken. Wir informierten die Bademeisterin darüber, dass Schlingnattern nicht giftig sind und absolut harmlos.
Für uns unverständlich war, dass wir die Presse nicht davon abbringen konnten, einen Bericht zu veröffentlichen. Wie die Presse davon erfahren hat, ist uns nicht bekannt. Unser Vorsitzender Jürgen Tröge versuchte, die Dramatik einer möglichen Schlangen-Hysterie durch den Pressebericht etwas durch Fachwissen über die Art zu entschärfen.
Hier ein Ausschnitt aus dem Bericht:

LICHTENSTEIN
„Schlingnatter nistet sich im Honauer Freibad ein“
Gertenschlank ist Olga, das kleine Schwangerschaftsbäuchlein fällt kaum auf, wenn sie sich im Honauer Freibad in der Sonne räkelt. Und das tut sie zur Freude vieler Freibadgäste ganz ungeniert. Allerdings sind nicht alle begeistert, wenn sich die Dame so offen zur Schau stellt. Denn Olga ist eine rund 50 Zentimeter lange Schlingnatter, die in der Natursteinmauer im Freibad Wärme tankt. „Manche kommen seither nicht mehr ins Bad”, sagt Bademeisterin Bärbel Braconnier.
Von Uwe Sautter, 08.08.2017, 07:20 Uhr

Freibad Honau

Im Jahr 2018 hatten wir die Idee, den Lebensraum der Schlingnattern im oberen Echaztal durch eine weitere Trockenmauer zu erweitern.
Nach Anfrage bei der Ortsverwaltung erhielten wir die Genehmigung, an einem zuvor begutachteten Ort eine Trockensteinmauer aufzubauen. Die nächste Hürde, die wir nehmen mussten, war die Finanzierung der Materialien. Wir stellten einen Antrag bei der EDEKA Südwest, der positiv beschieden wurde. Wir erhielten 3.000 € Unterstützung.
So starteten wir im Jahr 2018 und bauten eine stattliche Trockenmauer auf.
Als Material wurde natürlich ortsübliches Gestein (Weißjura) verwendet. Insgesamt wurden über drei Tonnen Weißjura-Trockenmauersteine verbaut.
In den Folgejahren bauten wir die Steinmauer jedes Jahr mit Eigenmitteln ein Stückchen weiter. Mittlerweile ist die Mauer schon ca. 30 Meter lang. 

 

Die Schlingnatter ist eine streng geschützte Art und darf nicht beeinträchtigt werden. Dies ist in § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) geregelt.
Auch in den Folgejahren wurden immer wieder Schlingnattern an der Mauer neben dem Schwimmbecken gesichtet. Zu unserer Freude gibt es auch Bilder, die eine erfolgreiche Reproduktion der Schlingnatter zeigen.

01.08.2018: Der Verein RANA e. V. engagiert sich für den Erhalt von Reptilienlebensräumen in Lichtenstein-Honau. EDEKA Südwest fördert das Projekt mit 3.000 Euro.
Im Rahmen des Wettbewerbs „Unsere Heimat und Natur“ wurden bereits mehr als 90 Gruppen und Vereine in der Region ausgezeichnet. Dabei wurden herausragende Naturprojekte mit insgesamt über 240.000 Euro gefördert, und dieses Jahr kommen 25 weitere Projekte hinzu. „Damit kommen wir unserem langfristigen Ziel, einen Biotopverbund im Südwesten Deutschlands zu schaffen, auch in diesem Jahr ein ganzes Stück näher“, erklärte Michaela Meyer, Nachhaltigkeitsbeauftragte von EDEKA Südwest, stolz im Rahmen des Wettbewerbs. „In Zeiten des Insektensterbens ist dies ein wichtiger Beitrag zur Schaffung von Überlebensinseln“, betonte Claus-Peter Hutter, Präsident von NatureLife.

Tröge (RANA e. V.), Michaela Meyer (EDEKA Südwest), Martina Neher (NatureLife), EDEKA-Kauffrau Diana Friedrich

Zu den diesjährigen Preisträgern gehört der Verein RANA e. V. (Reptilien-Amphibien-Neckar-Alb) mit seinem Projekt zur Erhaltung und Vernetzung von Reptilienlebensräumen in Lichtenstein-Honau. Der symbolische Scheck in Höhe von 3.000 Euro wurde nun im EDEKA Friedrich in Sonnenbühl-Undingen, der die Patenschaft für das Projekt übernommen hat, an Jürgen Tröge, erster Vorsitzender des Vereins, überreicht. Er bedankte sich bei EDEKA-Kauffrau Diana Friedrich und Michaela Meyer für die Auszeichnung und die Förderung.

Der kleine, aber dennoch sehr aktive Naturschutzverein hat sich zur Aufgabe gemacht, Lebensräume für einheimische Reptilien und Amphibien zu erhalten, wiederherzustellen bzw. auch neu anzulegen. Außerdem sollen die dadurch entstandenen Biotope miteinander vernetzt werden.

Mit dem Preisgeld wollen die Vereinsmitglieder sich um ein besonderes Projekt kümmern. Im Freibad in Lichtenstein-Honau wurden vermehrt Schlingnattern gesichtet, die streng geschützte Art soll nun einen weiteren Lebensraum in Honau bekommen. Mit der Gemeinde Lichtensteinwurde abgestimmt, dass auf einem Grundstück am Ortsrand ein großes Trockenbiotop für Reptilien eingerichtet wird, mit dem Ziel, der Artengemeinschaft Zauneidechse, Blindschleiche und Schlingnatter einen ungestörten Lebensraum mit ausreichend Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten bieten zu können.