Artenschutzmaßnahme auf der Albhochfläche im Landkreis Reutlingen

Bei dem ehemaligen Steinbruch mit 1,2 Hektar Mager- und Trockenrasenhabitaten sowie angrenzenden bewaldeten Strukturen handelt es sich um eine wertvolle Reliktfläche, inmitten der artenarmen, konventionell bewirtschaften und landwirtschaftlich geprägten Umgebung.

Dort gedeiht eine Vielzahl seltener Magerrasengewächse, wie beispielsweise das winzige Schopfige Kreuzblümchen, die Karthäuser-Nelke, Flügelginster, Gelber Enzian, Fransenenzian, Acker-Wachtelweizen und duftende Heilkräuter wie Salbei, Thymian und Dost, um nur einige zu nennen.

Bei manchen der filigranen Pflänzchen muss man schon genauer hinschauen, um sie bestimmen und ihre erhabene Schönheit bewundern zu können. So beispielsweise bei dem zarten Hügel-Meier, auch Hügel-Meister genannt, mit seinen winzigen weißen Blüten. Insgesamt wurden bereits sensationelle 84 verschiedene Pflanzenarten auf dieser kleinen Fläche kartiert. Würde man Flechten und Moose miteinbeziehen, wären es noch einmal beträchtlich mehr!

 

Biotop im Winter

Abgesehen von den botanischen Kostbarkeiten des reich strukturierten, augenscheinlich doch so kargen und felsigen Naturparadieses, birgt das als Naturdenkmal ausgewiesene Gebiet noch ein ganz besonderes Highlight – die seltene, streng geschützte Kreuzkröte hat sich hier einen Lebensraum erobert.

 

Kreuzkröte

Die Vorgeschichte: Mit viel Optimismus hatte Rana e.V. im Jahr 2019 ein künstliches Laichgewässer angelegt und dessen direkte Umgebung kreuzkrötenfreundlich ausgestaltet. Es wurden Vegetation entfernt, Totholzstapel und Steinhaufen errichtet, die den seltenen Amphibien Unterschlupf- und Überwinterungsmöglichkeiten bieten sollen. Und tatsächlich ließ der Kreuzkrötennachwuchs im Kunstteich nicht lange auf sich warten. Kreuzkröten sind die Pioniere unter den heimischen Kröten – sie wandern kilometerweit um neue Habitate zu besiedeln. Auf der wasserarmen Albhochfläche wird dies durch den Mangel an Laichgewässern jedoch erheblich erschwert.

Im Frühjahr 2025 wurde nun mit behördlicher Genehmigung ein paar hundert Meter vom ersten betonierten Kunstteich entfernt ein zweites Wasserbecken installiert. An einem idealeren Standort und durch Maschendrahtabdeckung gegen die Fressfeinde von Laich, Kaulquappen und adulten Kröten geschützt. Die Chancen stehen gut, dass es bereits in der nächsten Laichsaison von paarungswilligen Kröten angenommen wird.

Die anderen ‚Bewohner‘

Reptilien, wie Zaun- und Waldeidechsen sowie Blindschleichen teilen sich diesen Lebensraum mit einer Vielzahl von Insekten, darunter seltene Ödlandschrecken, Spinnen und diverse Tag- und Nachtfalterarten.

Um das Gebiet möglichst naturnah zu betreuen, wird es von uns extensiv gepflegt. Gemäht wird schonend mit dem Balkenmäher. Damit die Magerrasenflora und -fauna erhalten bleibt, räumen wir das Schnittgut nach jeder Mahd ab. Generell vollzieht sich das ‚Ausmagern‘ solcher Flächen, also die Reduzierung des Stickstoffeintrags in den Boden, sehr langsam, teilweise über Jahrzehnte hinweg. Zumal durch die Luft schon aus dem landwirtschaftlich bewirtschafteten Umland erhebliche Stickstoffmengen eingetragen werden.

Gehölze werden selektiv entnommen, um die vorhandenen Flächen freizuhalten. Dabei gehen wir sehr umsichtig vor, denn der ebenfalls artenreiche Bestand an Feld- und Heckengehölzen bietet vielen Vogelarten Nistmöglichkeiten, Unterschlupf und Nahrungsgrundlage.

Unser Bestreben ist es, den Zustand dieses uns zur Pflege anvertrauten Grundstücks sozusagen zu konservieren, ein Zuwuchern und ‚Verwalden‘ zu verhindern und gleichzeitig durch gezielte Maßnahmen den Lebensraum für unsere heimischen Reptilien und Amphibien (aber gleichzeitig auch für Säugetiere, Vögel und Insekten) kontinuierlich zu verbessern.

Thymian

Schopfiges Kreuzblümchen – Veränderliche Krabbenspinne mit Beute

Karthaeusernelke